25-07-2016 22:58:52

Und täglich grüßt das Killerspiel

Dass der politische Kampfbegriff "Killerspiel" auf Tagesschau.de immer noch unreflektiert Verwendung findet, ist betrüblich. Immerhin ist die Berichterstattung inzwischen deutlich kritischer geworden. Wir waren aber schon einmal weiter. Ich empfehle diese Dokumentation. (Die beiden Teile am besten über MediathekView herunterladen.)

Crysis 2 hat 2012 sogar den Deutschen Computerspielpreis als bestes deutsches Spiel erhalten. Ein lupenreiner Egoshooter (aka "Killerspiel"). Ich spiele zur Zeit u.a. Bioshock Infinite. Ein retro-futuristischer Shooter mit wunderbarer Grafik und literarischem Storytelling. Und ja, da geht es bisweilen ziemlich zur Sache. Aber solche kleinen Kunstwerke deshalb auf die Frage zu reduzieren, ob sie die Aggressivität beim Spieler fördern, ist für jeden erwachsenen Spieler eine Zumutung; eigentlich für jeden erwachsenen Menschen. Wahrscheinlich fördert auch der Ring des Nibelungen die Aggressivität beim Rezipienten. Hitler ging regelmäßig in die Oper und beschäftigte sich intensiv mit Wagner; Wer wollte ernsthaft eine solche Diskussion führen? Aber mit Computerspielen kann man es ja ruhig machen.

Ich stelle mir das gerade mal vor: Ein Verbot würde bedeuten, dass Spiele wie Bioshock aus meiner Steam-Bibliothek entfernt werden müssten. Was für eine unglaubliche Bevormundung. Im Hinblick auf die Freiheiten, die das Leben einem bietet, geradezu absurd. Würde man Computerspiele verbieten, könnte man im Grunde auch alles andere verbieten, was nicht dem eigenen Geschmack oder Lebensstil entspricht.


Geschrieben von oliver | Permanenter Link | Kategorien: society