22-09-2016 00:11:30

Der Desktop verschwindet.

Genau wegen solcher Geschichten kaufe ich nach Möglichkeit nur Systeme mit bereits vorinstalliertem Linux. In der Regel ist da dann ein Ubuntu drauf. Selbst wenn man das gleich wieder herunter wirft, lässt sich dann stattdessen natürlich jede beliebige Linux-Distribution installieren.

Leider bekommt man bis heute nur wenige Systeme ohne Windows. Regelmäßig eigentlich nur Gaming-PCs. Das aber auch nur, weil jeder langjährige Gamer zu Hause bereits zwei Dutzend ungenutzte Windows-Lizenzen herumfliegen hat. Natürlich geht man davon aus, dass am Ende immer ein Windows zum Einsatz kommt. Wenn man so ein niegelnagelneues System dann mit Linux bespielt, ist auch immer eine gewisser Anteil Glück dabei, wenn gleich alles auf Anhieb läuft. Getestet hat das beim Hersteller niemand.

Insofern grenzt es fast schon an ein Wunder, dass Linux überhaupt auf 2% Marktanteil kommt, denn wer tut sich sowas freiwillig an? Leider sind die 2% auch nicht ganz so gut wie sie zuerst aussehen. Bei vielen Installationen dürfte es sich um alte Mühlen handeln, die man Dank Linux nochmal zum Leben erweckt hat. Auf Neugeräten finden Linux bis heute im Desktopmarkt praktisch nicht statt.

Hauptschuld daran trägt eine Gesetzeslage, die es Microsoft bis heute erlaubt andere Systeme auf dem PC mit äußerst fragwürdigen Methoden zu blockieren. Das ist meiner Meinung nach auch einer der Hauptgründe für den Niedergang des Desktop-Marktes. Gerade für Kinder ist die Gebrauchstauglichkeit eines Windows-Desktops aufgrund seiner Eigenarten stark eingeschränkt. Das führt dazu, dass man Kindern gar keine Desktops mehr zugänglich macht, sondern sie stattdessen Tablets oder bestenfalls ein Chromebook bekommen. Ein Handy hat heute sowieso schon jedes Kind. Wozu soll man sich da noch mit einem System belasten, das ein Erwachsener ständig kontrollieren muss?

Dagegen ist eine Xfce-Oberfläche wie sie Xubuntu mitbringt deutlich kindgerechter. In den gut anpassbaren Leisten findet das Kind alles was es braucht. So ein System kommt zur Not auch mal eine zeitlang ohne Updates aus. Einmal eingerichtet läuft es einfach. Kein Anniversary-Update, kein Kachel-Usability-Porno, kein verkrüppeltes Minecraft. Aber eben auch keinerlei Support und für 99% der Bervölkerung nicht handhabbar, weil es schlicht niemanden gibt der es aufsetzt.

Neulich war ich geschockt als mir mein Neffe mitteilte, dass es an seiner Schule niemanden geben würde, der mit ihm Rocket-League spielen könnte. Aber letzlich hat es mich nicht gewundert, denn welches Kind benutzt heute noch einen PC? Am wahrscheinlichsten ist da noch eine Spielkonsole, doch auch die scheinen bei den Kindern heute nicht mehr im Trend zu liegen. Weltweit gibt es 20 Millionen Rocket-League Spieler. Das ist nicht viel, wenn man den Gesamtmarkt betrachtet. Gespielt wird heute fast nur noch auf dem Smartphone oder Tablet. Der PC wird aus den Privathaushalten und Kinderzimmern in nicht all zu ferner Zukunft ganz verschwinden. Der PC ist für den Privatanwender unattrativ und nutzlos geworden, so wie das einzige relevante Betriebssystem für dieses altertümliche System: Windows. Ein paar Dinosaurier werden das System natürlich bis zu ihrem Ableben weiter verwenden.


Geschrieben von oliver | Permanenter Link